Klima Bündnis - Schwarzes Gold aus grünen Wäldern - Erdöl aus Amazonien
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Reisebericht von Sabine Krieger (Stadträtin in München)
Delegationsreise nach Peru

Regenwaldidylle am Abgrund

Erdölförderung und Holzeinschlag zerstören langsam die tropischen Regenwälder Amazoniens und damit die Lebensgrundlagen der indigenen Gemeinden in den Weiten des Amazonastieflandes. Die Gewinne fließen fast ausschließlich ins Ausland. Die Völker des Regenwalds sind die Verlierer. Die peruanische Regierung lässt sie im Stich. Die Erdölindustrie gibt ihnen nur Almosen. Sabine Krieger, Stadträtin aus München, war im Rahmen einer Delegationsreise des Klima-Bündnis Anfang November 2004 am Río Corrientes in Peru und berichtet, wie die Erdölförderung das Leben der indigenen Bevölkerung zerstört.

Am 3.11. um 4 Uhr morgens war es endlich soweit. Noch in der Dunkelheit fuhren wir, zwei österreichische Bürgermeister, ein deutscher und österreicherischer Journalist, 2 Mitarbeiter des Klima-Bündnis und ich als Vertreterin einer deutscher Kommune, zum Hafen in Iquitos. Kein Boot war zu sehen. Nach längerer, unruhiger Wartezeit kam unser Boot. Ein  schnelles Boot, aber zu klein für 7 Personen, 2 Fahrer und  Wasser wie auch Proviant für eine Woche. Trotz einiger Bedenken gaben wir nach einer Probefahrt dem Boot eine Chance und starteten unsere Reise weit hinein  in die Tiefen der Zuflüsse des Amazonas. Ziel  der Reise war es,  die Auswirkungen der Erdölförderung auf das Leben der Indigenen und ihrer Dorfgemeinschaften am Río Corrientes, einem schwer zugänglichen und von Iquitos weit entfernten Regenwaldgebiet, kennen zu lernen. 
In Nauta luden wir unseren restlichen Proviant und Wasser auf, was vorausgeschickt worden war. Danach wurden unsere schlimmsten Befürchtungen wahr. Das Boot kam nicht mehr richtig aus dem Wasser. Unser Tagesziel - Trompeteros, das Zentrum der Erdölfirma "PlusPetrol" am Río Corrientes - war unerreichbar. Als es dunkel wurde, legten wir in  Providencia an und erhielten von den Ältesten des Dorfes die Erlaubnis unsere Zelte in der Schule aufzuschlagen. Am nächsten Morgen ging es weiter nach Trompeteros. Doch nach zwei Stunden  war plötzlich das Benzin aus. In San Martín, einem Dorf flussabwärts konnten wir per Funkgerät  Benzin anfordern. An diesem Tag des Wartens lernten wir das Dorfleben kennen. Eine Frau schlachtete extra ein Huhn für uns und die Kinder des Dorfes waren vor allem an unserem Weißbrot interessiert. San Martín bot einen interessanten Einblick in die zweifelhaften Errungenschaften durch die Erdölfirmen. Der eiserne Landungssteg war inzwischen halb im Fluss versunken, Wippen und Kletterstangen aus Eisen rosteten vor sich hin. Prunkstück des Dorfes waren vier Wassertanks, die mit Sonnenenergie Wasser aus einem Brunnen nach oben pumpten. Am Abend erreichten wir dann endlich Trompeteros. Teddy, der Vorsitzende der FECONACO (der Indigenen Organisation am Río Corrientes) zeigte uns am nächsten Tag die Einleitungen der Abwässer der Erdölindustrie in den Fluss. Welche Auswirkungen die Verschmutzung des Wassers hat, sollten wir aber erst von den "Apus" (Dorfältesten) in Valencia unserem nächsten Ziel erfahren. Doch das Treffen der FECONACO in Valencia erreichten wir erst am nächsten Tag. Nachdem der Motor endgültig kaputt gegangen war,  abgeschleppt von einem  Öltanker, nach einer weiteren Nacht in einem Dorf. Die Versammlung begann und die Dorfvorsteher der verschiedenen Gemeinden berichteten über ihre Probleme durch die Erdölförderung in ihrer Region: Der Fluss- ehemals Fischlieferant  und Quelle für Trinkwasser und zum Waschen - würde durch die Einleitung des schwermetallhaltigen Abwassers aus der Erdölförderung immer mehr verschmutzt. Hauterkrankungen, Magen- und Darmbeschwerden, Tumore und Leberschwellungen nähmen extrem zu. Lecks in den Pipelines verseuchten ganze Regenwaldgebiete. Die Territorien für die ständig wechselnden Anbauflächen der Indigenen würden immer weiter durch die Erdölförderung beschnitten.  Doch weder die Erdölfirmen noch die Regierung interessierten ihre Probleme, klagten die Apus erregt. Die medizinische Versorgung beschränke sich auf Aspirin und im Notfall auf den Transport ins Krankenhaus. Es fehle Geld für Seife, Petroleum und Benzin. Wir versprachen zu helfen.
Doch was können wir tun? In München habe ich versucht die Öffentlichkeit über die Probleme in Peru zu informieren, allerdings mit wenig Resonanz. Dabei sind es gerade wir Industrieländer, die das meiste Erdöl verbrauchen und für die Ausbeutung in Peru und anderen Ländern verantwortlich sind. Doch, Peru ist zu weit weg, die Auswirkungen zu kompliziert zu vermitteln. Dabei ist München vorbildlich und engagiert sich seit Jahren für das indigene Volk der Asháninka in Peru. Auch hat der Münchner Stadtrat Anfang Februar 2500,- Euro für das Solarlampenprojekt, das wir im Rahmen der Reise vorgestellt haben, bewilligt. Dabei geht es darum, das gesundheitsschädliche Petroleum langfristig durch Solarlampen zu ersetzen, die in einer Werkstatt in Iquitos zusammengebaut werden. Was ich auf der Reise gelernt habe ist, dass unsere Ressourcenverschwendung mit der Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschen in anderen Regionen der Welt wie Peru bezahlt wird. Es ist deshalb unsere Pflicht, den Klimaschutz vor Ort weiter voranzutreiben und den Menschen in den betroffenen Regionen zu helfen.




Sabine Krieger sprich vor einer Versammlung indigener VertreterInnen in Valencia


Gruppenfoto der TeilnehmerInnen an einem Informationstreffen über die Situation der Erdölförderung und die Auswirkungen auf die indigenen Gemeinschaften


Übergabe einer Solarlampe einem Vertreter der lokalen indigenen Organisation


Start des Solarlampenprojektes in Iquitos mit dem Ausbildungsprogramm Formabiap (von li. nach re.) Ingo Appé, Sabine Krieger, Edwin Vásquez, Oseas Rios (einer der beiden Koordinatoren des Ausbildungsprogrammes), Dietmar Ruggenthaler