Neben anderen zerstörerischen Einflüssen, wie Holzeinschlag, staatliche Entwicklungsprogramme oder Goldabbau, hat die Erdölförderung besonders schwerwiegende Folgen auf die Regenwälder und die in ihnen lebenden indigenen Völker. Durch ihre unkontrollierte Ausweitung seit Mitte der 1980er Jahre in fast allen Anrainerstaaten des Amazonasbeckens haben ökologische, aber auch soziale, kulturelle und ökonomische Probleme für die dort lebenden Menschen dramatisch zugenommen.
In Ecuador wurde Ende der 1960er Jahre begonnen, die Erölvorkommen auszubeuten. In Venezuela geht der Beginn der Erdölförderung bis auf das Jahr 1922 zurück. Die venezuelanische Wirtschaft war schon 1935 zu 91% vom Erdölexport abhängig. Seither wurden immer neue Vorkommen gefunden, und seit Mitte der 1980er Jahre haben die Anrainerstaaten des Amazonasbeckens immer neue Gebiete der Region für die Erdölförderung geöffnet. Heutzutage wird in praktisch allen Anrainerländern Amazoniens Erdöl oder Erdgas gefördert, und Pläne für neue Fördergebiete liegen schon vor.
Die aktuellen Konzessionsgebiete für die Erdölsuche und -förderung überlagern sich zu 90 % mit den Territorien der indigenen Völker. Die Konzessionsvergabe durch die Regierungen erfolgt weitgehend ohne Einbeziehung der indigenen Organisationen. Kompensationszahlungen und Gewinnbeteiligung finden, wenn überhaupt, nur in geringem Umfang statt und sind bei weitem nicht ausreichend, um die langfristigen negativen ökologischen, sozialen und ökonomischen Folgen auf die indigenen Gemeinschaften und die Umwelt auszugleichen.
Die Auswirkungen der Erdölförderung sind für Mensch und Umwelt gleichermaßen verheerend. Schon bei den ersten seismischen Untersuchungen und Probebohrungen werden Waldfllächen abgeholzt für Hubschrauberlandeplätze und Bohrtürme. Aus den Bohrlöchern treten neben dem begehrten Rohöl weitere Substanzen aus, die Schwermetalle, giftige Chemikalien und andere toxische Stoffe enthalten. Diese werden in Auffangbecken gelagert, teilweise verbrannt oder ungeklärt in die Flüsse geleitet. Für die Versorgung der Erdölcamps und den Transport von schweren Geräten müssen Straßen im Wald angelegt werden. Daneben sind die im Gefolge der Erdölförderung durch die neu angelegten Straßen eindringenden Siedler, Arbeiter, Viehzüchter und Holzfirmen eine langfristige Bedrohung für den Regenwald.