Erdölförderung im nördlichen Amazonasgebiet (Iquitos)
1) Die Ankunft der Ölunternehmen
Zu Beginn der 70er Jahre erfolgte die erste Konzessionsvergabe im Amazonasgebiet Perus, um an dieser Stelle von nun an das "schwarze Gold" fördern zu können. Die Konzessions-gebiete decken sich mit den Siedlungsgebieten der indigenen Völker Achuar, Quichua und Urarina im nördlichen Teil der Provinzen Loreto und Alto Amazonas. In den oberen Stromgebieten der Flüsse Pastaza, Corrientes und Tigre befindet sich Parzelle 1-AB, deren Erforschung und Bearbeitung in den Händen des Unternehmens OXY (Occidental Petroleum Company of Peru) lag. Die zweite Parzelle setzt sich aus den Einheiten 8 und 8X zusammen, welche sich im mittleren und unteren Stromgebiet des Flusses Corrientes befinden und deren Bohrlöcher sich entlang des Chambira Flusses und im Nationalreservat Pacaya Samiria verteilen. Die Zuständigkeit für dieses Gebiet wurde dem nationalen Ölunternehmen Petropéru zugesprochen. Die Erforschung und Förderung in diesen Gebieten war für die beiden Unternehmen ausgesprochen erfolgreich, so dass durchschnittlich etwa 65% des Öls im Land konsumiert wurden. In den Anfängen der Ölförderung verpasste Peru es, klare ökologische und soziale Rahmenbedingungen gesetzlich zu verankern, so dass erstmalig im Jahr 1984 die intensive Beschädigung durch die ONERN (National Office of Evaluation of Natural Resources) erkannt wurde.
a) Block 1AB
Am 22. Juni 1971 unterzeichnete die peruanische Regierung ihren ersten Vertrag über die Konzessionsvergabe mit dem Ölunternehmen OXY. Der anfängliche Vertrag umschloss ein Gebiet in der Größe von 529,000 ha, welches als Parzelle 1-A ausgezeichnet wurde. Nach einigen seismischen Tests wurde die Konzession für nichtig erklärt und es wurde ein neuer Vertrag über die benachbarte Parzelle 1-B, welche ein Gebiet von 479,265 ha umschließt, unterzeichnet. Zusammengefasst wird die Parzelle als 1-AB bezeichnet. Im November 1972 wurde nach einjähriger Durchführung seismischer Untersuchungen ein signifikantes Ölfeld gefunden, bekannt unter dem Namen "Capahuari". Dieses befindet sich auf dem Territorium der Quichua in Pastaza. Durch intensive Forschungen wurden noch weitere vielversprechende Ölvorkommen entdeckt:
- Capahuari Sur: 27 Bohrlöcher, Stromgebiet des Flusses Pastaza, Quichua
- Shiviyacu: 15 Bohrlöcher, Stromgebiet des Flusses Corrientes, Achuar
- Huayurí: 12 Bohrlöcher, Stromgebiet des Flusses Corrientes, Achuar
- Dorissa: 12 Bohrlöcher, Stromgebiet des Flusses Corrientes, Achuar
- San Jacinto: 21 Bohrlöcher, Stromgebiet des Flusses Tigre, Quichua
- Bartra: 10 Bohrlöcher, Stromgebiet des Flusses Tigre, Quichua
- Forestal: 10 Bohrlöcher, Nähe der ecuadorianischen Grenze
(Stand: 1999)
Das in diesen Gebieten geförderte Öl wurde bis zum Jahr 1978 mittel eines Schiffes nach Manaos, Brasilien transportiert. Später führte der Weg des Öls von Block 1-AB ca. 200km weit zur Northern Peruvian Pipeline, welche nach 856 Kilometer an der nördlichen Küste Perus, in Puerto Bayóvar endet. OXY errichtete zusätzlich eine Raffinerie mit einer Kapazität von 2000 Barrel/Tag in einem Gebiet, welches direkt an die Quichua-Gemeinde von Marsella, am rechten Ufer des Tigre Flusses, angrenzt. Block 1-AB wurde mit einer durchschnittlichen Produktion von 52,478 Barrel/Tag Rohöl zur wichtigsten Öl-Parzelle des Landes. Im Jahr 2000 verkauft OXY seine Interessen in Block 1-AB an das argentinische Unternehmen Pluspetrol. Derzeit operiert OXY mit 50% im Block 64, an den übrigen 50% beteiligen sich Burlington Resources und Spaniens Repso-YPF. Die Suche nach dem Öl setzt sich in den folgenden Jahren fort, so dass immer mehr Bohrinseln errichtet, Straßen gebaut und Bäume abgeschlagen werden müssen. Der Fund dieser Bohrlöcher bedeutet zugleich eine Bedrohung für die Umwelt und die indigenen Völker, in deren Territorien Bohrinseln und Hubschrauberplätze errichtet werden. An dieser Stelle hat die Förderung des Öls noch nicht begonnen. Die letzten Verhandlungen um den Block 1-AB fanden zwischen der argentinischen Pluspetrol und dem chinesischen Ölunternehmen CNPC statt. Anfang 2004 kaufte das chinesische Unternehmen die Interessen und wurde damit zum zweitgrößten Ölunternehmen Perus.
b) Blöcke 8 und 8X
Im Jahr 1969 begann die peruanische Regierung ihre Ölaktivitäten in den beiden Blöcken 8 und 8X, deren Erforschung dem staatlichen Ölunternehmen Petroperu oblag. Block 8 liegt im Stromgebiet der Flüsse Corrientes und Chambira und umfasst eine Fläche von 182,348 ha, die sich in 5 kleine Parzellen unterteilt. Diese Fläche ist gleichzeitig auch das Territorium von Gemeinschaften der indigenen Völker Achuar und Urarinas. Auch das National Reservat Pacaya Samiria, Yanayacu befindet sich auf diesem Stück Erde. Block 8X ist mit einer Fläche von 697,254 ha noch um ein vielfaches größer als Block 8 und liegt südlich des Blockes 1-AB, in der mittleren und unteren Region des Corrientes Flusses.
Als OXY im Jahr 1971 seine ersten Entdeckungen von Erdölstätten machte, gelang auch Petroperu ein großer Fund im sogenannten "Trompeteros", welcher aufgrund seiner hohen Produktivität und hohen Qualität zum zweit wichtigsten nationalen Ölfeld wurde. Die Funde von Petroperu und OXY lösten einen richtigen Explorations-Boom aus, der dazu führte das während anschließender Erforschungen noch etliche weitere vielversprechende Funde gemacht wurden. Diese befanden sich u.a. in Yanayacu, im Pacaya Samiria National Reservat, in Valencia, im Stromgebiet des Corrientes Flusses und in Chambira, im Stromgebiet des gleichnamigen Flusses. Bis 1983 wurden 102 Bohrlöcher installiert.
1996 übergab Petroperu die Kontrolle seiner Untersuchungen an ein Konsortium, welches sich aus den Unternehmen Pluspetrol, Peco, Yukong und Daewoo zusammensetzt. Seit den ersten Untersuchungen sind vor allem die Natur und die indigenen Völker die Leidtragenden. Auch nach der Übergabe an das Konsortium konnte ihnen keiner mitteilen, ob die erheblichen Umweltschäden in diesem Gebiet, welches von einer hoch sensiblen und biologisch reichen Natur geprägt ist, von ihrem Vorgänger übernommen werden. Dieses natürliche Gewächshaus im Amazonasgebiet und die dort ansässigen indigenen Völker haben bis heute keinerlei Anzeichen einer Entschädigung bzw. Regeneration erfahren.
All die Gebiete, in denen diese zwei Ölunternehmen ihre Untersuchungen und Förderungen durchgeführt haben werden als "extrem arm" angesehen.
2) Die kulturelle und sozio-ökonomische Struktur
Seit früher Zeit wird die nordöstliche Region Perus von zahlreichen indigenen Völkern bewohnt, welche sich in größere Gruppen unterteilen lassen. Nach Studien von Taylor (1988) sind die Jíbaro-Candoa von diesen die weitreichendste und vielfältigste Gruppe. Ihm zufolge expandierten die Jíbaros vom Norden und breiteten sich von den Anden zu den entfernten Stromgebieten der Flüsse Tigre und Corrientes aus. Ausgehend von den Stromgebieten Chinchipe und Bracamoros führen sie zu der Gruppe der Palta. Die Aguaruna und Huambisa-Shuar siedelten in den Tälern von Santiago, Cenepa und Nieva; die Shuar siedelten im Alto Pastaza; die Candoa Gruppe siedelte im Osten, in den Stromgebieten der Flüsse Pastaza und Tigre; die Maynas siedelten von der Mündung des Pastaza bis zum Pongo de Manseriche; die Roamainas ließen sich zuerst an einem Nebenfluss des Corrientes nieder und siedelten sich dann entlang der Flüsse Morona und Pastaza und an der Rimachi Lagune an; die Andoas siedelten entlang des Tigre und Bombonza Fluss; die Guasaga entlang des Huasaga Fluss und die Muratos siedelten entlang der Flüsse Huasaga und Huitoyacu. Neben den Gruppen der Jíbaro-Candoa-Familie ist auch die Záparo Gruppe entlang des oberen Tigre Flusses ansässig.
Versuche, den "Dschungel" zu kolonisieren gehen bis zur Inka-Herrschaft zurück, als Tupac Yupanqui und sein Sohn, Huayna Cápac, in das Land der Bracamoro Jíbaros einfielen, welche in Zamora-Chinchipe lebten. Die Verteidigung der Tiefebene durch die indigenen Völker stoppten ihren Vormarsch. Der spanische Vorstoß in diese Region begann 1537 und innerhalb von 15 Jahren waren viele Siedler, auf ihrer Suche nach Gold, dort ansässig geworden.
Verfolgungen und Massaker haben die indigene Bevölkerungszahl erhebliche dezimiert, insbesondere die Maynas. Die Spanier versuchten die einzelnen Gruppen gegeneinander aufzuhetzen, was zu einer Serie von inter-ethnischen Konflikten führte. Trotz dieser internen Rivalitäten ist es den verschiedenen Gruppen der Jíbaro-Familie gelungen, eine Konföderation zu formieren und die Spanier zu attackieren.
Die Spanne von 30 Jahren spanischer Intervention hinterließ bei den verschiedenen Gruppen unterschiedliche Spuren. Während es den Aguarunas und Huambisa-Shuar gelang, die Verbliebenen zu vereinigen und in die Gebiete zwischen den Flüssen zurückzuziehen, litten die Candoa oder Candoshi Mayna von Morona und Pastaza unter den direkten Effekten der Angriffe und neuen Krankheiten in einer Zeit, wo sie durch den Prozess einer Transkulturation gingen. Dieser Prozess wurde genährt durch den Kontakt mit der Záparo-Kultur und intensiviert durch die jesuitische Mission.
Mittlerweile wurden die Záparo der Stromgebiete des Oberen Napo, Tigre, Corrientes und Pastaza, beiderseits der heutigen ecuadorianisch-peruanischen Grenze, fast vollkommen vernichtet, einerseits durch die eingeschleppten Krankheiten und andererseits durch die rauen Bedingungen der Goldminen-Arbeit.
Seit dem 16. Jahrhundert benutzte die jesuitische Missionierung die Sprache der Anden, Quechua, als Einheitssprache, um ihre Ziel der Christianisierung bis in den Amazonas-Dschungel zu verbreiten. Die multiethnische Gruppe, heute bekannt als Quichua führt ihre Demonstration der kulturellen Besonderheit des Amazonas fort, insbesondere in Bezug auf die Nutzung der Ressourcen des Waldes.
Ganze Populationen, wie bspw. die sogenannten Barbudos und Muniches sind vollkommen verschwunden, während andere, wie die Andoas, Maynas und Cocama nach und nach durch die Mestizo-Bevölkerung absorbiert wurde.
Die nächste Bedrohung der indigenen Völker erfolgte in der Zeit des Kautschuk-Booms, welcher in jeden Winkel des Amazonas vordrang. Die indigenen Völker waren ständig in Gefahr, als Sklaven gefangen zu werden, um für die sogenannten Kautschuk-Barone zu arbeiten. Aufgrund dessen begannen Flucht und Migration, durch die eine völlig neue Karte des Amazonasgebietes entstanden ist. Daher ist es heute nicht ungewöhnlich Gemeinschaften der Quichua und Huitoto am Oberen Ucayali und in der südlichen Region des Amazonas Madre de Dios vorzufinden.
Anfang des 20. Jahrhundert war die Präsenz der Regierung im Amazonasgebiet beschränkt auf einige Untersuchungen zur geographischen oder sozialen Situation. Während des Krieges mit Ecuador, 1941, wurde Militär entsandt, um angrenzend an indigene Dörfer Stützpunkte zu errichten. Durch die Errichtung von sogenannten "lebenden Grenzen" ("living borders") wurde die Mestizen-Bevölkerung Teil der sozialen Struktur dieses entlegenen Gebietes. Die militärische Strategie der Regierung, um die "lebenden Grenzen" zu errichten, beinhaltete auch Christianisierungs-Vorhaben, die in den 50er Jahren durch das "Summer Institute of Linguitics" und später durch die "Swiss-Mission" vollzogen wurden. In den 60er Jahren haben sich die indigenen Bevölkerungsgruppen zusammengetan, um Schulen zu errichten. Sie haben sich später unter das offizielle Modell der Einteilung der indigenen Gruppen organisiert.
Noch heute setzt sich die Bevölkerung hauptsächlich aus Indigenen zusammen. Davon bilden die Jíbaro-Candoa die größte Sprachfamilie in dieser Region (ca. 70.000). Diese Familie besteht aus den Achuars, Aguarunas und Huambisa-Shuars.
Aufgrund des direkten Einflusses der Ölunternehmen OXY, Petropéru und Pluspetrol steigt die Armut in dieser Region weiterhin, insbesondere sind davon Barranca, Tenienie César López, Tigre, Trompeteros, Pastaza und Urarinas betroffen.
3) Verheerende Folgen für die indigenen Völker und ihre Umwelt
a) Soziale und ökologische Auswirkungen auf die Region
Bereits die seismischen Untersuchungen im Vorfeld einer jeden möglichen Ölförderung haben ihre negativen Auswirkungen, insbesondere auf die Natur. Sie erfordern eine große Zahl an Arbeitern und lärmenden Maschinen, wie bspw. transportable Bohrer, Generatoren, Kompressoren, Kettensägen, Fahrzeuge und Hubschrauber. In der Regel wird auf einer Länge von hunderten von Kilometern eine ca. 2 Meter breite Schneise geschlagen, um dort in einem Abstand von 100 Metern Explosionen durchzuführen. Landeplätze für die Helikopter und Camps für die Arbeiter müssen errichtet werden, was den Abschlag einer riesigen Fläche Regenwald bedeutet. Dies alles geschieht unter Missachtung der Bedeutung des Waldes für die indigenen Völker, die mit und von der Natur ihr Leben gestalten. Zusätzlich zu dem Lärm und dem Holzabschlag stellen auch weitere Auswirkungen ein hohes Risiko für die indigenen Völker dar. Die Arbeiter schleppen Krankheiten in die Region denen das Immunsystem der indigenen Völker nicht standhalten kann. Die wilden Tiere des Regenwaldes werden von den Arbeitern zum Verzehr oder Verkauf gejagt, wenn sie nicht bereits von den vielen Lichter und dem Lärm der Maschinen verscheucht wurden. Proportional zu dem Verschwinden der Tiere, werden auch die Ernährungsgewohnheiten der indigenen Völker erheblich begrenzt.
Die seismischen Untersuchungen in den Blöcken 1-AB und 8/X waren geprägt von einer immensen Euphorie, die zu dieser Zeit in Bezug auf die Ölgewinnung herrschte. Die Arbeit in diesen Blöcken fand jenseits legaler Vorschriften statt, so dass die Schneisen in ihrer Breite und Länge teilweise den gesamten Lebensraum der Indigenen überdeckten. Es wurde keine Rücksicht auf Felder, heilige Stätten, Friedhöfe etc. der indigenen Völker genommen.
Die zweite Stufe der Erdölförderung sind die explorativen Untersuchungen, d.h. die sogenannten Probebohrungen an Stellen, wo ein reiches und profitables Ölvorkommen vermutet wird. In dieser Phase muss zunächst eine Straße gebaut werden. In Bezug auf Block 1-AB bedeutete dies ein weitere Holzeinschlag, 40 Meter breit und 556 Kilometer lang. Diese führen die schweren Maschinen zu den Bohrvorrichtungen und die Arbeiter zu ihren Camps. Um dem Öl in der Tiefe zum Auftrieb zu verhelfen werden hoch toxische Chemikalien eingesetzt. Zusammen mit dem gewonnen Öl werden diese wieder hoch gepumpt und in Form von Bohrschlamm zum Produktionsabfall. Dieser Schlamm besteht nunmehr aus Formationswasser und einem Gemisch aus Sulfaten und Natrium-bicarbonaten, Calcium und Magnesium, Schwermetallen, wie z.B. Quecksilber, Kadmium, Chrom, Blei, Zyanid und Arsen, sowie Öle, organische Verbindungen, radioaktive Verbindungen und gelöste Gase.
Die letzte Stufe ist die eigentliche Ölförderung. Nach den Entdeckungen der Ölvorkommen 1971 durch OXY und Petropéru planten diese ihre Arbeit für die nächsten 30 Jahre. Sie errichteten Flughäfen, Unterkünfte, Hallen, Gesundheitsstationen, ein Radio-Netzwerk, Büros, Kontrolltürme, Flugzeughallen, Landeplätze, Lagerräume etc. Für den Transport des geförderten Öls wurde eine Straße von Andoas, am Pastaza Fluss, über die Flüsse Tigre und Corrientes, bis zur Raffinerie nach Marsella, am Tigre, gebaut. Zusätzlich musste ein Netzwerk von Pipeline und Ventilen verlegt werden, das nach Aussagen von OXY einer Länge von 530 Kilometern entspricht. Das darin beförderte Öl gelangt normalerweise zunächst in eine Anlage, um das gewonnene Öl von den Abfallprodukten zu trennen, welche dann normalerweise separiert aufgefangen werden, um ihre Toxizität auf ein Minimum zu reduzieren. In vielen Fällen wurde dieses Verfahren nicht verfolgt, sondern der Abfall in die Wasserläufe und Bäche geleitet, welche direkt in den Tigre, den Corrientes und den Pastaza fließen. Das bei der Erdölförderung entstehende Gas wurde generell abgefackelt.
In der Zeit von 1978 bis 1982 führte OXY 144 Probebohrungen durch, von denen 129 produktiv waren. Petropéru hat in den Blöcken 8/8X 24 Bohrungen durchgeführt und nach der Entdeckung eines Ölfeldes 119 weitere. Zwischen den Jahren 1975 und 1996 pumpte Petropéru im täglichen Durchschnitt 200.000 Barrel Formationswasser in die Bäche und Wasserläufe dieses Gebietes, OXY pumpte im Tagesdurchschnitt sogar 850.000 Barrel direkt in die Natur. Keine der beiden Unternehmen installierte eine Anlage, um die Abfallprodukte ökologisch zu beseitigen. Das derzeitige Abflussystem befödert das Formationswasser in die näheren Bäche und schließlich in die drei Hauptflüsse Corrientes, Tigre und Pastaza. Zum Vergleich beträgt der Salzgehalt eines dieser Flüsse 10 Promille, Seewasser hat einen Salzgehalt von 20.000 Promille und das Formationswasser hat einen Salzanteil von 200.000 Promille. Der Corrientes-Fluss war am stärksten durch den Zulauf des Formationswasser betroffen, das zum Teil aus Block 1-AB und zum Teil aus Block 8X stammt.
b) Gesundheitliche Folgeschäden der Erdölförderung
Die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten der indigenen Völker sind ihrer Umwelt vollkommen angepasst. Sie führen ihr Leben mit und von der Natur. Durch die Erdölförderung ist ihnen diese Lebensweise zum Verhängnis geworden. Die Flüsse in ihrer Umgebung sind nunmehr durch das salzige und giftige Formationswasser verseucht, die darin lebenden Tiere folglich durch die Schwermetalle und organischen Verbindungen ebenfalls giftig. Der Verzehr ist gesundheitsschädlich und kann auch zum Tod führen. Auch ihr Trinkwasser, das sie direkt aus den Flüssen gewonnen haben, ist verseucht. Aber es gibt kaum Alternativen, um sauberes Trinkwasser zu bekommen. Berichten aus den verschiedenen Gemeinschaften zufolge sind die Symptome, die nach dem Kontakt mit dem giftigen Wasser auftreten immer die gleichen. Betroffene berichten von Fieber, Krämpfen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und blutigem erbrechen. Besonders gefährlich ist es für Kinder. Todesfälle gab es bereits in vielen Gemeinschaften.
Die Luftverschmutzung durch die Verbrennung des Gas ist ein weiteres großes Problem. Dabei frei werdenden Schmutzpartikel, wie CO2 (Kohlendioxid), NO (Stickstoffoxid) und Schwefeldioxid sind Ursachen für den Treibhauseffekt und dem sauren Regen. Folgen sind die Zerstörung der Vegetation, der Biodiversität und von Lebensräumen, in denen bedrohte Tierarten leben. Auch die Gesundheit der dort lebenden Bevölkerung wird dadurch beeinträchtigt. Atemwegserkrankungen, wie bspw. Asthma, Müdigkeit und neurologische Probleme bei Kindern können durch das Inhalieren der verschmutzten Luft auftreten.
Weitere Probleme sind die Zunahme von Malaria-Erkrankungen und die steigenden Fälle von Hepatitis B.
4) Reaktionen der indigenen Organisationen im nördlichen Amazonasgebiet
Die Tätigkeiten des Ölunternehmens OXY riefen bei den drei indigenen Organisationen (FECONAT, FECONACO und FEDIQUEP), die in diesem Gebiet agieren, Reaktionen hervor, die zumeist auf die lokale Verteidigung beschränkt waren. Trotz der ernsthaften Bedrohung durch die Bohrlöcher gelang es ihnen nicht, dass öffentliches Gehör der nationalen Regierung zu erlangen.
Auf Forderungen der indigenen Völker bezüglich ihrer Rechte, reagierten die zwei Unternehmen OXY und Petropéru im allgemeinen mit Einschränkungen ihrer sowieso schon minimalen medizinischen bzw. sozialen Hilfeleistungen. Immer wieder präsentierten die indigenen Gemeinschaften den Unternehmen ihre Klagen und Forderungen, jedoch wurden eventuelle Eingeständnisse und Versprechen seitens der Unternehmen im Regelfall nicht eingehalten. Beispielsweise versprach OXY auf einer Versammlung, sie würden 15 Brunnen entlang des oberen Tigre errichten, aus denen die indigenen Gemeinschaften ihr Trinkwasser schöpfen könnten. Ein paar Tage später wurden eine Gruppe von Personen gesichtet, die in der Nähe einer Gemeinschaft Wasserproben entnahmen, aber es passierte nichts weiter passierte. Es ist eine gebräuchliche Praxis der Unternehmen, zusammen mit Regierungsbehörden, der Bevölkerung Dienstleistungen anzubieten, um dann Unterstützung für Transporte in die Gebiete zu bekommen, in denen ihre Tätigkeiten stattfinden.
Die Klagen der Gemeinschaften beziehen sich vor allem auf die ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen der Ölförderung. Ein sogenannter "Ökologischer Management Plan" (PAM) wäre eine Möglichkeit, die negativen Auswirkungen zu minimieren bzw. bisherige Zerstörungen zu rehabilitieren, sofern dies noch möglich ist. Der Plan muss aber in Zusammenarbeit mit Vertretern der betroffenen indigenen Völker entworfen werden, damit nicht die ökonomischen Interessen der Unternehmen zwar verdeckt, aber trotzdem im Vordergrund stehen.
Quelle: All we want is to live in peace (Lily La Torre López)
www.bicusa.org/bicusa/issues/misc_resources/348.php