Klima Bündnis - Schwarzes Gold aus grünen Wäldern - Erdöl aus Amazonien
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Vom 30.10.2004 bis zum 12.11.2004 fand eine Delegationsreise nach Peru an den Rio Corrientes statt. Ziel der Reise war es, die Situation eines Erdölfördergebietes kennen zu lernen und die Umweltzerstörungen vor Ort zu besichtigen. Weiterhin sollten über den Besuch von indigenen Gemeinschaften die Betroffenen selber ihre Situation beschreiben.

An dieser Reise haben teilgenommen:

Ingo Appé (Bürgermeister von Ferlach (A) ), Dietmar Ruggenthaler (Bürgermeister von Virgen (A) ), Sabine Krieger (Stadträtin in München (D)), Thomas Mayer (Journalist vom Der Standard), Nick Reimer (Journalist der taz), Johann Kandler (in Österreich verantwortlich für die Kooperation mit den indigenen Völkern am oberen Rio Negro/Brasilien), Thomas Brose (in der Geschäftsstelle in Frankfurt verantwortlich für die Projektkooperation mit der COICA).

Ein kleines Tagebuch gibt einen Eindruck über diese Reise:

 

Mo. 01.11.

Ankunft der Gruppe in Iquitos. Zwei Tage soll die Gruppe in Iquitos verbringen, um die letzten Vorbereitungen zu treffen und um sich an das heiße und feuchte Klima zu gewöhnen. Es findet ein erster Besuch bei der regionalen indigenen Organisation ORAI statt. Die ORAI ist ein regionaler Zusammenschluss der indigenen Organisationen im Bundesstaat Loreto, das größte Regenwaldgebiet in Amazonien nach dem brasilianischen Amazonas-Gebiet. In der ORAI ist auch die FECONACO Mitglied, die Organisation der Indigenen, die am Rio Correintes leben, das Gebiet, das wir besuchen wollen. Die Indigenen in der Region sind vom Volk der Achuar.

Di. 02.11.

Die holländische Kooperation in Iquitos hat für die Reise der Gruppe ein Boot zur Verfügung gestellt. Der Fahrer macht noch letzte Besorgungen wie Benzin, Öl, Kerzen und erledigt die Formalitäten mit den Hafenbehörden. Die Gruppe kauft noch die letzten Ausrüstungsartikel für die Fahrt in den Regenwald, wie Hängematten, Gummistiefel und Moskitonetze.

Mi. 03.11.

Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, da steht die Gruppe bereits an der Anlegestelle und wartet auf das Boot. Nach einigen Schwierigkeiten mit dem Reservekanister für Benzin kann die Reise beginnen. Das Boot nimmt Fahrt auf und erreicht zügig die Stadt Nauta, wo die letzten Formalitäten erledigt werden müssen. Von da fahren wir in den Fluss Maranon. Der Fluss ist hier noch relativ breit. Es ist bereits Mittag als wir in Miraflores ankommen. Hier wird Benzin nachgetankt und zusätzliches Trinkwasser aufgenommen. Das Boot hat jetzt Übergewicht und kommt nicht mehr so schnell voran, außerdem verbraucht das Boot mehr Benzin als geplant. Das Ziel Trompeteros, wo übernachtet werden sollte, kann nicht erreicht werden. Die Gruppe muß in einer Schule eines indigenen Dorfs übernachten. Das Dorf heißt Providencia. Wir werden freundlich, aber auch mit einer gewissen Zurückhaltung empfangen. Am nächsten Morgen stehen die Kinder vor den Klassenzimmern und bestaunen die Gruppe von Europäern mit ihrem Gepäck und den Zelten.

Do. 04.11.

Die Reise geht weiter, muß jedoch bald wieder unterbrochen werden, da der Benzintank leer ist. Das Boot treibt bis zur nächsten Anlegestelle, wo ein Kleinbauer mit seiner Familie lebt. Alle steigen aus und beginnen die Gegend zu erkunden. Die große Vielfalt an Pflanzen ist beeindruckend. Wir bekommen frisch gepressten Zuckerrohrsaft. Der Bauer leiht uns etwas Benzin, mit dem wir zum nächsten indigenen Dorf fahren können, um von dort Benzin aus Trompeteros anzufordern. Dieser unfreiwillige Halt gibt uns die Möglichkeit den Tagesablauf im Dorf zu beobachten und mit den BewohnerInnen über unsere Reise und die Probleme durch die Ölförderung in der Region zu sprechen. Immer wieder wird uns berichtet, dass sich die Gesundheitssituaiton in der Region in den letzten Jahren drastisch verschlechtert hat. Der Fluss, die Nebenflüsse und die Seen, die genutzt werden zum Baden, Trinken und zum Fischen, werden als verseucht beschrieben. Dadurch sind viele Krankeiten in die Region gekommen, die es vorher nicht gab. Vor allem Kinder und ältere Menschen leiden unter Hauterkrankungen und Schwellung der Leber. Die Menschen berichten, dass das Erdölunternehmen die Umweltschäden nicht beseitigt und sie auch keine finanziellen Vorteile durch die Erdölförderung in ihren Gebieten haben. Vor allem für Schulen und Gesundheit fordern sie mehr Geld.

Am Nachmittag kommt das Benzin und wir können mit der Reise fortfahren. Am Abend kommen wir dann in Trompeteros an. Trompeteros ist eine kleine Stadt mit ca. 2000 Einwohnern. Sie liegt genau gegenüber dem Hauptstützpunkt der Erdölgesellschaft PLUSPETROL, die aktuell die Installationen betreibt. Trompeteros hängt wirtschaftlich am Tropf dieser Gesellschaft. Einige Glückliche, die bei der Erölgesellschaft eine Arbeit haben, fahren täglich über den Fluss zu ihrem Arbeitsplatz. Im Dorf sieht man aber nichts davon, dass in der Gegend seit Jahrzehnten Erdöl gefördert wird. Nichts von großen Glaspalästen oder teuren Infrastrukturen. Vielmehr besteht die Stadt aus ärmlichen Bretterhäusern. Der Bürgermeister ist im Gefängnis, nachdem die Bevölkerung sich gegen die Abzweigung von Geld durch ihn aufgelehnt hat. Die Kommune bekommt monatlich ca US$ 90.000 aus Steuern für Investitionen in der Region. Durch die Gespräche mit der Kommission, die die Arbeit übernommen hat, wird deutlich, dass das Geld, das mit dem Erdöl verdient wird, auf jeden Fall nicht der Region zugute kommt. Vielmehr sind hier nur die negativen Asuwirkungen sicht- und spürbar.

Fr. 05.11.

Die Bootsfahrt geht weiter. Das Ziel ist das Dorf Valencia, wo am Wochenende ein Treffen aller indigenen Dörfer der Region stattfinden soll. Dieses Treffen wurde vom Klima-Bündnis im Rahmen des Projektes unterstützt, als einen Beitrag zur institutionellen Stärkung der lokalen indigenen Organisation. Gleichzeitig sollte es der Gruppe die Möglichkeit geben, Gespräche mit den indigenen VertreterInnen über die Situation in der Region zu führen.

Auf dem Weg nach Valencia haben wir einige Dörfer besucht. Zum Beispiel das Dorf Pavayaku, an dessen Grenzen eine Ölpipeline vorbeigeht. Dort wurde uns der Zwiespalt deutlich, in dem die Indigenen in der Region leben. Auf der einen Seite kritisieren sie das Erdölunternehmen wegen der Umweltschäden und die damit verbundene Verschlechterung der Gesundheitssituation. Auf der anderen Seite verlangen sie Arbeitsplätze und betreiben Handel mit der Gesellschaft, die bei Ihnen Früchte und Nahrungsmittel einkauft. Sie sind wirtschaftlich vom Unternehme abhängig, da es sonst kaum eine nenneswerte ökonomische Aktivität gibt.

Am Nachmittag dann fährt das Boot auf eine Sandbank auf. Steine beschädigen die Bootsschraube, die ausgetauscht werden muss. Wieder wird die Weiterfahrt verzögert. Nach dem Austausch der Schraube kann das Boot nicht mehr mit voller Fahrt fahren, das Dorf Valencia werden wir heute nicht erreichen. Es ist schon dunkel, als wir das Dorf San Marti erreichen, wo wir dann, nach einigen Verhandlungen mit den Dorfchefs, übernachten dürfen. Die Bootsführer sind bis in den späten Abend mit Reparaturarbeiten beschäftigt.

Sa. 06.11.

Am frühen Morgen geht die Fahrt weiter. Das Boot gewinnt aber nicht an Fahrt. Der Bootsführer unternimmt Reparaturarbeiten während der Fahrt und dabei kommt Wasser in den Motor, der sofort absäuft. Nun versuchen wir das Flussabwärts treibende Boot an das Ufer zu bringen. Es ist nicht so leicht, denn in dieser Gegend reicht der Regenwald bis hinunter zum Flussufer und es gibt nur wenige Anlegemöglichkeiten. Wir finden einen kleinen Anlegeplatz und müssen auf Hilfe warten. Nach einer kurzen Zeit hören wir das Geräusch eines größeren Motors und nach einer Weile sehen wir einen Tanklaster den Fluss hinauf fahren. Der Tanklaster ist voll beladen mit Erdöl und auf den Weg zu einer Verladestation. Die Verarbeitung des geförderten Erdöls findet an der peruanischen Küste statt. Das Öl wird über ein Pipelinenetz zu den Raffinerien geleitet. Das bedeutet, dass, obwohl in der Region seit über 30 Jahren Erdöl gefördert wird, es dort keine Möglichkeit gibt, günstigen Treibstoff zu bekommen. Im Gegenteil. Das gesamte Benzin wird aus Iquitos den Fluss herauf transportiert. Die indigenen Gemeinschaften sind für ihre Fortbewegung auf dieses teure Benzin angewiesen.

Wir werden von dem Lastkahn abgeschleppt und kommen am Mittag endlich in Valencia an. Dort werden wir schon erwartet. Nach dem Mittagessen gibt es ein großes Treffen aller VertreterInnen der indigenen Dörfer aus der Region mit der Delegation. Sie wollen über ihre Probleme sprechen und hören warum wir gekommen sind und wie wir sie unterstützen können.

Sie berichten uns über die Situation in der Region (Umwelt, Gesundheit, Schule, ökonomische Alternativen). Die Verständigung ist nicht ganz einfach, da die Diskussion in drei Sprachen abläuft. Viele indigene Vertreter sprechen kaum oder gar nicht spanisch und so müssen Fragen oder Beiträge erst über zwei Stufen übersetzt werden.

Wir stellen unser Anliegen vor und bieten auch die Unterstützung des Klima-Bündnis an. Konkret findet die Idee, einen Seifenherstellungsworkshop zu veranstalten, großen Beifall. Durch eigene Seifenherstellung würden sie weniger Abhängig von den teuren Produkten aus Iquitos und gleichzeitig könnten sie selber Seife vermarkten und sich dadurch vielleicht eine Einkömmenmöglichkeit schaffen.

Außerdem berichten wir über das Solarlampenprojekt. Mit diesem Projekt soll in Iquitos eine Solarlampenwerkstatt eingerichtet werden, mit dessen Hilfe dann die Lampen zusammen gebaut werden können. Diese können dann über indigene LehrerInnen in den Dörfern vorgestellt werden als eine Alternative zu den benutzten Petroleumlampen. Auch diese Idee fand großen Anklang. Am Abend wurden dann vier mitgebrachte Solarlampen der Organisation FECONACO überreicht als ein Geschenk der Delegation und als einen kleinen Beitrag zur langfristigen Reduzierung der Erdölabhängigkeit.

So. 07.11.

Am frühen Morgen ging die Reise zurück nach Trompeteros. Nach einigen Verhandlungen hat sich ein Dorfchef bereit erklärt uns in seinem Boot mitzunehmen, da unser Boot nicht mehr fuhr.

Nach einer langen Reise mit Regen und in die Nacht hinein sind wir dann wieder in Trompeteros angekommen. Am nächsten Tag sollten wir mit dem Flugzeug nach Iquitos zurück fliegen.

Mo. 08.11.

Der Tag erwachte im Regen, der nicht aufhören wollte. Das Flugzeug sollte am Nachmittag eintreffen. Der einzige Landeplatz befindet sich auf dem Gelände des Erdölunternehmens. Sie müssen deshalb um Erlaubnis gefragt werden. Unser Flugzeug war schon im Anflug, bekam aber keine Landeerlaubnis und mußte wieder zurück fliegen, um angebliche Formalitäten zu erledigen. Dies wurde als reine Schickane empfunden, da die Landebahn praktisch kaum benutzt wird und es nicht eizusehen war, warum das Flugzeug nicht hätte landen können.

Di. 09.11.

Am frühen Morgen kommt dann das Flugzeug, das uns nach Iquitos fliegen soll. Das Wetter ist besser geworden und der Flug klappt reibungslos. Aus der Höhe sieht man den großen grünen Teppich, der unberührt aussieht. Dazwischen winden sich die schlammigen Flüsse. Auch der Rio Corrientes, den wir hochgefahren sind, sieht von oben aus wie eine dünne Schlange.

Die Erleichterung ist groß, als das Flugzeug sicher wieder in Iquitos landet.

Am Abend findet eine große Pressekonferenz statt, gemeinsam mit verschiedenen lokalen, aber auch nationalen Umweltgruppen. Es wird deutlich, dass die Bevölkerung in Iquitos auch sehr wenige Informationen über die Situation in der Region am Rio Corrientes hat. Es wird ein Video gezeigt über die Schäden und die Probleme der indigenen Bevölkerung. Die Kommunalvertreter berichten von ihren Eindrücken, die sie während der Reise gesammelt haben. Es ist sehr wichtig die Bevölkerung über das aufzuklären, was in der Region vor sich geht.

Do. 11.11.

Rückflug nach Lima und dann Rückflug nach Europa.

 

Hier sehen Sie einige Fotos zur Reise und einen Reisebericht von Sabine Krieger.